Test: Tiger Woods 10 (PS3)
Die Mehrheit meiner Freunde schaut mich nur irritiert an, wenn ich ihnen erzähle, dass ich gestern Golf auf der PlayStation gespielt habe. Ein sehr guter Freund hat mir das Spiel näher gebracht. Damals noch auf der PS2. Und eins kann man vorweg sagen: Viel hat sich seit Tiger Woods 2003 nicht getan. Ist krass, wenn man bedenkt, dass weitere 7 Jahre Entwicklung drin stecken, aber EA ist ja nicht gerade dafür bekannt, dass sie ihre Spiele immer mit Innovationen zupflastern. Wie auch immer. Nach Tiger Woods 08, dachte ich mir, ich könnte mir mal wieder eine Version gönnen, denn ein paar vielversprechende Features, aber auch sehr frustrierende Bugs, hat das Spiel schon.
Es ist immer noch Golf. Irgendwie eine Mischung aus Arcade und einer Simulation und für die ganz Harten kann man jedes spielerische Hilfsmittel (Putting Gatter, willkürliche Spin-Richtung, Power Boost) ausschalten. Was soll man groß dazu sagen. Die Physik kann ich nicht beurteilen. Scheint mir weder schlechter noch besser.
Die Grafik ist besser als bei 2008. Aber anscheinend hat man bei der 2010 im Vergleich zu 2009 Abstriche gemacht. So dass die 2010 grafisch nicht mehr so toll aussehen soll. Ich finde es durchaus annehmbar. Jedoch wundert es mich sehr, dass Spiele wie Madden 09 eine so tolle Grafik auf den Platz zaubern und Spiele wie Tiger 10 eigentlich hinten an stehen. Beim Football/Fußball wuseln 22 Feldspieler auf dem Platz. Beim Golf doch nur einer. Da sollte doch noch was raus zu holen sein?
Der Soundtrack ist mager. Äußerst mager. Teilweise fühle ich mich wie in einem Aufzug. Zwischendurch sind ein paar nette Stücke dabei. Aber keinesfalls vergleichbar zu Fifa oder Madden Soundtracks. Das Publikum von Tiger Woods ist vermutlich auch ein anderes. Kann man schon vermuten, wenn man die PSN-IDs der anderen Spieler sieht, die dann oftmals auf ein Geburtstag weit vor 1980 liegen. Was natürlich nur eine Vermutung ist, wenn sich jemand bswp. Jeff1968 nennt.
Die Steuerung hat sich kaum bzw. gar nicht geändert. Nur das Putting System wurde ein wenig modifziert. Beim Einlochen muss nun auch die Schlagstärke akribisch eingehalten werden. Das ist ein richtiger Schritt Richtung Simulation, aber auch nur ein kleiner. Um ehrlich zu sein, was will man bei einer Golf Simulation mit einem solchen Controller (PS3+Xbox) schon machen? Der Analogstick ist schon das höchste aller Gefühle, weshalb mich Golf auf der PS2 auch auf einmal interessiert hat. Aber hier ist die Wii sicher eine interessante Alternative. Das müßte man sich mal anschauen. Jedoch habe ich mir beim Spielen gestern Nachmittag gedacht, dass ich eigentlich nicht aktiv im Zimmer stehen will und dann mit der Wii Remote wild um mich zu schlagen.
Eine Frechheit ist es, dass auf der Wii viel mehr Kurse verfügbar sind. Hat da EA/Tiburion zum ersten Mal Geld investiert? Und wieso fallen bei der PS3/Xbox Version manche Kurse weg und andere kommen hinzu? Und dann darf man sich z.B. Spyglass für ca. 7,50 Dollar dazu kaufen. Man kann im Spiel übrigens fast jedes Item auch im PlayStation Store kaufen. Für die Leute, die sofort besser als Tiger Woods selbst sein wollen. Und dann gibt es für ca. 3,50 Dollar eine Art Cheat, mit dem man seinen Spieler in Sekunden auf die höchstmöglichen Stats aufwertet. Auch irgendwie primitiv. Vor allem, wenn man im Online Spiel nur noch auf Super Golfer trifft. Normalerweise kann man nämlich bei Tiger 10 wieder schlechter werden, wenn man keine guten Schläge ausführt. Die gekauften “12″ bleiben aber erhalten.
Neues gibt es wenig, aber ein paar Sachen dann schon. Das “Live Wetter”. Tiger 10 fragt nun über das Internet ab, wie das Wetter am jeweiligen Golfplatz derzeit ist und so gibt es dann einen verregneten oder sonnigen Golfplatz. Leider wird der Wind nicht berücksichtigt. Das Spiel sucht sich immer noch seine Windstärke und -Richtung aus. Und so haben bspw. St. Andrews immer starken Wind.
Neu ist auch die verbesserte GamerNet Integration. In einem ganz normalen Spiel werden einem Herausforderungen angeboten, die man dann meistern kann und dafür Punkte erhält. Einher geht auch das Live Tournament. Wobei Live nicht ganz zu trifft. Es gibt verschiedene Tuniere, die teilweise täglich und wöchentlich angeboten werden. Hier heißt gegen andere Spieler zu scoren. Was nicht so einfach ist, da die auf einem 18er Kurs locker ein “25 under PAR” schaffen. Platz 161 war mein bestes Ergebnis in der Amateur Klasse und habe dafür auch Geld gewonnen. Nun habe ich aber zu viele Punkte gesammelt und darf bei Beginner-Tunieren nicht mehr mitmachen. Es wird nun noch schwerer. Diese Live Tournaments gefallen mir. Aber Live passt deshalb nicht, weil die Einblendungen nicht live sind. Wenn da steht “UserXY hat ein Eagle auf Loch 5 geschafft”, bedeutet das nicht, dass es gerade passiert ist. Sondern eben erst. Und die sog. Live Tabelle ist nicht live, sondern wird erst dann aktualisiert, wenn jemand durch alle 18 Löcher durch ist.
Der Challenge Modus von 08 wurde etwas abgeändert und man spielt historische Ereignisse aus der Golf-Geschichte der letzten 10 Jahre nach oder muss die Schläge von Tiger Woods 1 zu 1 nachschlagen. Ich find das ziemlich langweilig und zudem sauschwer. Der Career Modus hat sich auch nicht geändert. Eine Saison spielen eben. Das Game Face Feature gibt es immer noch, aber hochgeladene Fotos der voran gegangenen Jahre sind nicht mehr verfügbar.
Einen “krassen” Bug habe ich gefunden: Ich schieße über das Green hinaus in die Büsche. Da wo normalerweise schon fast ein “Out of bound” sein müßte, schlägt man nicht den zweiten Ball. Sondern der Ball liegt dann auf einmal ganz bequem auf dem Green in Lochnähe. Natürlich habe ich mich irgendwie gefreut, aber zum Spiel gehört das ja wohl nicht. Es kommt jedoch selten vor. Leider auch im Onlinespiel.
Außerdem ist gerade im Online-Spiel die Kamera verbuggt. Vor allem dann, wenn man den Schlag seines Kontrahenten ansehen will. Man sieht den Ball wunderbar fliegen, aber leider als wäre die Kamera unterhalb des Balls und schaut nach oben in den blauen Himmel. Man sieht quasi gar nichts.
Die Trophies sind bescheuert. Nur goldene und silberne Trophies, die verdammt schwer zu bekommen sind. Großer fail!
Fazit: Tiger Woods 10 ist nichts wirklich Neues. Die Online Integration gefällt mir, aber auch hier gibt es noch viele Ideen, die EA vermutlich auch hat, aber in de nächsten 10 Jahren in kleinen Happen für jeweils 60 Euro verkaufen wird. Tiger 10 ist weiterhin eine Mischung aus Arcade und Simulation. Ich persönlich würde mir mehr Simulationscharakter wünschen. Das neue Fähigkeiten System ist gut. Vor allem, dass man auch wieder schlechter wird, wenn man sich nicht konzentriert. Dass man dieses neue Feature aber gegen Bares ad absurdum führen kann, macht es auch wieder zwecklos. Wer Spaß hat gegen andere Golfer weltweit online zu spielen wird sich bei Tiger 10 freuen, da viele Spieler online sind derzeit. Jemand, der nur solo mal gerne eine ruhige Partie spielt, sollte lieber bei Tiger 08/09 bleiben.
In Europa ist das Spiel nun seit 3. Juli erhältlich. Die USA war in etwa einen Monat früher schon dran. Wenn euch der Test gefallen hat, dann schaut doch mal bei Amazon vorbei. Mit jedem Kauf bei Amazon unterstützt ihr meine Arbeit.
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